Dichtungen aus der morgenland. Sage.
Licht und Liebe.
Im Anfänge war alles wüst und leer, ein kal-ter Meeresabgrund; die Elemente der Dinge lagenwild durcheinander. Da webete Lebenshauch vomMunde des Ewigen und brach des Eises Ketten undregte wie eine brütende Taube die erwärmenden Mut,terflügel sanft.
In dunkler Tiefe regte sich alles jetzt, ausrin-gend zur Geburt. Da erschien der Erstgebohrne, dassanft erfreuende Lichtr^
Das holde Licht, percint mit der Mutter-liebe, die über den Wassern schwebete; sie schwan-gen sich auf zum Himmel und webten das goldeneBlau: sie fuhren hinunter zur Tiefe und füllten mitLeben sie an: sie trugen die Erd' empor, einen Got-tes-Altar, bestreund sie mit immcrverjüngten Blu-men: den kleinsten Staub beseelten sie.
Und als sie Meer und Tiefen und Luft undErde mit Leben erfüllet hatten, da standen sie rath-schlagend still und sprachen zu einander: „Lasset unsMenschen schaffen,, unser Bild; ein Gleichniß deß,der Himmel und Erde durch Licht und Liebe schuf."Da fuhr Leben in den Staub: da strahlte Lichtdes Menschen göttliches Antlitz an und Liebe wäh-let« sein Herz zu ihrer stillen Wohnung.
Der ewige Vater sahs und nannte die Schö-pfung gut: denn alles füllte, alles durchdrang seinimmerwirkcnd Licht und seine holde Tochter, diebelebende Liebe selbst.