II. Antiquarische Aufsätze. 343
selbst in oder neben ihr gebildet werden, wie wirserwarten, so ists freilich um so besser. KönnenWirkliche Kinder, eine Geliebte, ein Weib danebengebildet werden, so kehrt für Kunst und DenkmahlWahrheit in die Züge, und also besser. — Aberwehe, wenn diese Grabengel, die man der Mensch-lichkeit, als Denkmahl der Liebe und milde Gabezuließ, nun Hauptwerk der Kunst werden sollenund gar gelehrte Abstraktionen und Allegorien,Wie Gespenster, alles verscheuchen! Ists sodannnicht offenbares Zeichen der größten Dürftigkeitund Armuth, daß man nichts als solche habe?oder nur solche zu bilden vermöge?
Wie weit ists mit der Kunst der leibhaftenWahrheit gekommen, wenn sie keine leibhaf-te Wahrheit mehr hat, wenn sie statt des gro-ßen Einem Seeledurchwebten Ganzen nach einemSchmetterlinge von Witz, von Bedeutung,hascht, der um, oder neben oder über ibr schwe-be! Und den sie doch auch, so klein der Preiswäre, nicht einmal zu erreichen, nicht auszudrückenvermag, denn zu aller literarischen und moralischenAllegorie gehört Gruppe, und im eigentlichstenVerstände hat die die Bildncrei nicht.
„Nicht? die Bildnerci keine Gruppe? Und„Lgokoon , Niobe, die beiden Brüder." —- Ich weißdas Alles und mehr als das. Ich weiß, daß einFranzose noch neulich hochgcrühmt hat, „seine„Nation habe das Gruppircn der Bildsäulen rmgel-„neu erfunden, sie habe zuerst Bildsäulen mghle-„risch gruppicet, wie nie ein Alter gruppirt hat."— Die Bildsäulen mahlerisch gruppwen? siche,