II. Antiquarische Aufsätze. 827
Große, Erhabene und Ucberspannte gehen,was Schauer und Ehrfurcht, nicht Liebe und Mit-gefühl erreget. Bei Kindern, Blinden und Sehend-werdenden ists noch alfo, und wird, was auch diePhilosophie predige, immer also bleiben. JenerBlindgewesene sah Menschen, als sähe er Bäume:Ehcscldens Blindem lagen alle Figuren als eine un-geheure Bildertafel sich bewegend dicht vorm Auge:aller erste Anblick und Eindruck, den Kinder undUnerfahrne von einer Statue haben, ist gerade wieDadals Säulen beschrieben werden. Ehrfurcht,die beinah Schrecken wird und Schauer, Ge-fühl, als ob sie wandelten und lebten, so ge-rade und viereckl sie dem Auge des Künstlers dastehnmögen, sind die ersten Eindrücke der Kunst, zumalbei einem halbwilden, d. >. noch ganz lebendigen,nur Bewegung und Gefühl ahnenden Volke. Beiallen Wilden oder Halbwilden sind daher die Sta-tuen belebt, Dämonisch, voll Gottheit undGeistes, zumal wenn sie in Stille, in heiligerDämmerung angebetet werden, und man ihre Stim-me und Antwort erwartet. Noch jetzt wandelt unsein Gefühl der Art an in jedem stillen Museum oderEoliseum voll Götter und Helden : unvermerkt, wennman unter ihnen allein ist und wie voll Andacht ansic gehet, beleben sie sich, und man ist auf ihremGrunde in die Zeilen gerückt, da sie noch lebten unddas Alles Wahrheit war, was jetzt als Mythologieund Statue dastehet. Der Gott Israels wußte seinsinnliches Volk vor Bildern und Statuen nicht gnugzu bewahren: war das Bild da, so war a^uch seinenSinnen der Dämon da, ders belebte, und die Ab-götterei) unvermeidlich. Wir Vcrnunftleute lesen jetzt