II. Antiquarische Aufsatze.
sich ziehet, siehe, so ward, wie im Weltgebaude durchden Streit zweier Kreiste die Ellipse ward, in dersich die Planeten, so hier die Linie der Schön-heit , in der sich die For m en de r K ö r p e rwinden. Sie entstand, wie bei Plato die L i e b evon Bedarf niß und Uebcrflufi, aus der ge-raden Linie und Rundheit. Der Eirkel war füruns zu voll, nicht zu umfchauen, nicht zu um-fassen ; die gerade Linie zu dürftig, um denvielseitigen Organismus zu geben, zu dem unserKörper da scvn sollte. Sie schwebt also undneigt sich, damit dies oder jenes überwie-ge. In der festen Brust, im festen Rücken wcnigKrümme, nur Wölbung: dieser ist Mauer und
Stütze, jene Panzer. Der Unterleib, beim Weibeder Busen, die Glieder der Schwachheit wurden mitWeiche und dem Anschein der Vollkommenheit be-kleidet. Nur aber ists Anschein: denn ein Ku-gelbauch, wie ein Kugelkopf und Kugelwade, sindüberfüllte Auswüchse, in ihnen selbst der Keim derZerstörung.
Woher dies Letzte? Ich wiederhole, weil dasmenschliche Gefäß keiner Vollkommenheit undalso auch keines Zeichens derselben fähig ist: denn
Vollkommenheit ist Ruhe, sie aber soll wirken,streben. Die Kugelbauche und Kugclköpfe mögenviel Behaglichkeit, Satte und Allgnugsamkeit in sichhaben; zum Fortschwunge im Ganzen sind sie umso minder: sie tragen über und vor sich ihren eignenAtlas. Wie das Licht cmporwallet in der Flammeund das Meer aus seiner Ruhe in Wellen lauft,und die Sonne selbst im Tbierkreise den Erdkreis