II. Antiquarische Aufsätze. 3rr
ihm die Seele sich darstellt, geht stumm und unbe-greiflich in uns hinüber: nur werden mit der Na-tur gleichsam verkörpert oder diese mit uns beseelet.Und da^er fühlen wir auch jede neue Ergänzungdoppelt widrig, die, so schön sie auch seyn mag, wennsie nicht vom Ganzen des Einen lebenoigen Gei-stes beseelt wird, uns mit Recht als ein fremde-Flickwcrk vorkommt. Nichts muß blos ersehenund als Flache behandelt, sondern vom zarten Fin-ger des harmonischen Mitgefühls durchtastet seyn,als ob es aus den Händen des Schöpfers käme. —
Nichts preisen daher die Anschriften der Grie-chischen Anthologie an den Statuen so sehr, alsdiese ganze Haltung, dies Durch- und z uuns Leben, das aus ihnen gehet. Ich weiß nichtob cs eine Zeichnung oder Schilderei ersetze, die nurSchatten auf der Fläche giebt und vom lebendigenKörper doch auch nur entspringen mußte; aber dasweiß ich, daß, je mehr wir alle Dinge als Schatten,als Gemahlde, und vorüberstreichendc Gruppen an-sehen, wir dieser körperlichen Wahrheit im-mer um so ferner bleiben. Auch hier komme unsgeistig das Gefühl und die dunkle Nacht zu Hülfe,die mit ihrem -Schwamme alle Farben der Dingesuslöscht und uns an das Haben und HaltenEiner Sach e heftet. Die Griechen wußten we-nig, aber das Wenige ganz und gut: sie erfaßten«und konntms geben, daß es zu ewigen Zeiten lebe.So wie das Profil ihres Angesichts gebildet undnicht gemahlt ist, so sinds auch ihre Werke.
Wie weit wir da hinter ihnen stehen, mag ei-ne zukünftige Zeit richten. Was ist seltner in un-