3u8 II. Antiquarische Aufsätze.
Gottes und keines andern. Jede schone Form anihm, wird von dem Lebensgeiste bestimmt, dersein Schiff anwehet und treibet: mithin wird jedesGlied im höchsten Maaße individuell bedeutend.Und nur so fern cs also bedeutet, und derDamon,der Charakter, der Eine Göttliche Lcbensgeist ganzund allein in diesem Bilde erscheint, so fern istsder schöne Apollo, die Glorreiche Juno undAphrodite. Man darf hier abermals weder inBuchstaben noch in Wolken studicen, sondern nurseyn und fühlen: Mensch seyn, blind empfindenwie die Seele in jedem Charakter, in jeder Stel-lung und Leidenschaft in uns wirke, und denn ta-sten. Es ist die laute Natursprache, allen Völkern,ja selbst Blinden und Tauben hörbar.
Nireus, der schönste aller Griechen vor Troja,thut in der ganzen Jliade nichts und kommt nicht,als im Verzeichniß der Schiffe, zum Vorschein : alle,die darin handeln, stehn als einzelne Charak-tere, mit fcstbestimmtcn, nicht zerfließenden, un-wandelbaren Zügen da, und sind, die sie sind.So der Göttliche Agamemnon, ,,an Haupt und„Blick dem Jupiter gleich, dem Mars im Gurte, an„Brust dem Neptun: er stand, wie ein Stier da
„erhaben unter seiner Heerde; " aber nur im ru-higsten prächtigsten Theil der Jliade vor dem erstenAnsalle stand er so, nachher hat Homer nicht Zeitseine Schöne zu schildern: Agamemnon handelt.Priamus kann vom Thurm ihn schauen und bewun-dern: Helena preisen, Homer preiset nichr mehr.Vom schönen Achilles, um den sich das ganze Ge-dicht windet, hören wir kein Lob der Schönheit, wir