II. Anliquaiische Aufsähe. 3ui
«heil eine Form und ein Zustand ist, der selbst inder Beschreibung widert. Es war dort Fluch derAusschweifung und Folge des Wassers der Bitter-keiten, daß der Bauch schwelle und die Lenden schwin-den ; *) fürs untreue, wollüstige Weib gewiß diegrößte Strafe! Es ist Beschreibung des ältesten Lie-des der Unschuld und Liebe: **) daß der Bauch seyein schwebender Waizenhügel, der Nabel ein runderBecher, dem's nimmer an Getränk mangelt, dernimmer verlechst und nimmer übersprudelt von Freu-de; ja die weise Mäßigkeit und Furcht Gottes sollte,wie abermals das älteste Sittenbuch ***) sagt, selbstdem Nabel gesund seyn und erquicken die Gebeine.— Wir höhnen jetzt über diese Beschreibungen derEinfalt, so wahr sie sind. Wir machen uns Schür-ze von Feigenblättern, wie jene Ersten , und meistensauch aus derselben Ursach. Ich schweige also undspreche nur noch Ein Wort von Rücken, Handund Fuß.
Wie an allen, so haben die Griechen auch andiesen Theilen das Schönste gekannt und gebildet.Wenn der schöne Nacken bei Bacchus herabfleußt,und Venus aus dem Bade mit ihrem gebognenRücken der Taube heraustritt, und der schöne Torsoda sitzt und sinnet — doch wie kann ich beschreiben?und was Hilst beschreiben, wenn man nicht selbstsiehet und das schöne Gebirge hinabgleitet? Und wie
*) 4 Mos. 5, 2 r--L 7 .
**) Hohelied 7 , 2 .
*") Sprw. 3,3.