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Zur schönen Literatur und Kunst Theil 11 (1821) Römische Literatur. Antiquarische Aufsätze
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Aoo H. Antiquarische Aufsatze.

Dem Weibe gab die Natur nicht Brust sondernBusen, schlang also, da hier Quellen der Noth-durft und Liebe für den zarten Säugling seyn sollten,den Gürtel des Liebreizes um sie und machte, wie'sihre mütterliche Art ist, aus Nothdurst Wollust.Des Mannes Brust ist einförmiger, starker, edler,vollkommen: der Busen des Weibes ward zarter,völliger, gewaschen mit Milch der Unschuld und ge-krönt mit der Rose der Liebe. So lange diese einKnöspchen blühet und der unreife Hügel zur Erntewachst, schlang die Grazie her Jungfrauschaft ihrenGürtel um dieselbe, in der, nach der Beschreibungjenes Dichters Liebe und Verlangen wohnen. Wennder Trank der Unschuld bereitet ist und der Unmün-dige an den Quellen der ersten Mutter - und KindeS-sreude hanget, und seine kleine Hand sich an sieschmieget und kappet und g»ug hat, und Mutterund Kind sich Eins fühlen am Baume des süßenLebens: welcher Unmensch, der hier nicht fühle undein verlornes Paradies der Unschuld ahnde!

Wenn schon Winkelmann cs beklagte, daßer nicht für Griechen schreibe und also vieles müsseverschweigen: so habe ich diese Vorsichtigkeit leider!noch mehr nöthig, kann also auch nur mit wenigenZügen reden. Wie die Brust die cdlern Thcilebarg und ausdruckte, so ist von den ältesten Zeitenund Philosophen an der Bauch als Sitz der Be-gierden betrachtet worden. Darauf beziehet sich jeneedle Beschreibung Winkelmanns von dem, wasBauch des Bacchus heiße: die jugendliche Nüch-ternheit und Mäßigkeit und sanfte, wie auskinem schönen Traum erwachte Fülle, deren Gegen-