Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 11 (1821) Römische Literatur. Antiquarische Aufsätze
Entstehung
Seite
299
Einzelbild herunterladen
 

II. Antiquarische Aufsätze.

299

schon ike Auszug. Wie auf der Stirn Gesin-nung herrschte, so birgt die B ru kt die e d l er uEingeweide und ist ihrer Zeuge. Ein Mensch vonfreier Brust wird in aller Welt für frei und edelgehalten: man traut ihm etwas zu, er kann docha kl) men. Das psotus Irirsutrrrri, der ehernePanzer um die Seele ist allen Nationen und Spra-chen Sprüchwort; dagegen die eingebogne, zusam-mengeklemmte, keuchende, schon von Natur sich ver-bergende Thersitesbrust auch ein natürliches Omenist von einqeschloffenem, zusammengekrümmtem, krie-chendem Muthe. Oft hat der dennoch edle Mannvieles durch Grundsätze überwunden: Gott hat ihm,wie der Koran sagt, Raum in der Brust ge-macht und Luft verschafft vor feinen Drängern;noch oster aber wird Muth simulirt und politischeKlugheit soll ersetze», was uns an ibm unersetzlichfehlet. Da bekannt ist, daß nichts hiezu so sehrbeitragt, als das liebe Sitzleben, das arbeitendeKriechen auf der Brust und nicht einmal auf demBauche: so Habens auch alle Barbaren, d. i. alleNationen, die noch in freier Natur lebten, erkannt,was dies Leben auf Körper und Geist wirke. Esverdumpft die Stimme und stumpft das Auge, nochmehr aber Sinn und Seele. Zagend schwebt dasHerz in seiner engen verdrückten Höhle, glaubt je-den Augenblick zertreten zu werden und kriecht nachSpeise und Verläumdunq. Welcher Freund, dersein Haupt an diese Brust lehnen und sagen könnte:du bist mein Fels! welcher Hülflosc Unterdrückte,der sich an ihr aufrichtcn könnte und sagen: hierwohnt Zuflucht! Desto weiser aber sind nur im Hauptund geschäftig mit Mund und Fingern.