2Z4 II. Antiquarische Aufsatze.
zien sonnen, um sich in die Quelle des schattenum-kränzten lieblichen Auges zu tauchen.
Das G r i e c h i sch e P r o fi l ist so berühmt,daß ich mich scheue, davon zu reden. Jeder Con-noisscur weiß, daß es der gerade Schnitt von Stirnzu Nase sei), der, weil er Griechisch ist, wohl sehrschön sepn müsse. Wenn er ihn nachher an leben-den Personen sieht und da nicht so schön findet, soschreibt er etwa, wie jener Schneider in den Kalen-der, cs sich in seinen Volkmann oder Richard-son an: „schön; aber nur an Griechischen Statuen,„weil sie Stein sind;" und damit hat seine Kenner-schaft ein Ende. Nolhwcndig muß in der leben-den Natur eine Ursache der Schönheit liegen odersie ist auch nicht in der tobten; und wer verkennctesie dort? Wer fühlt nicht, daß eine Nase mit ihrerWurzel tief unter die Stirn gebogen, gleichsam ei-nen dürftigen Anfang habe, und daß der Lebens-othem, der zur Seele kommen soll, sich da wiedurch Höhle und Abtritt winde? Wer fühlt nichtGcgcntheilS die unzerstückte Form, und daß so fortunter der Stirn das ganze übrige Gesicht Erhaben-heit, Runde, großen Blick und festere Calatur er-halte , wenn dieser Bug der Nase kein Grabensprungist? endlich und ohn' alle diese Künstelei), wer hatnoch nie das Thron mäßige einer JunonischenNase, oder das unendlich Freie, Vor sich se-hende, Hinduftende einer Nase des Apollo ge-merket? Wie vielleicht nur Ein Himmelsstrich ist,der dies Profil in Menge bildet, und der Welsche»Vorwurf nicht so ganz ohne Grund sepn mag, daßjenseit der Alpen die Schönheit der Form erliege,