II. Antiquarische Aufsätze. 277
ab - oder heraufschlüpfe, was doch von allen sehroft Zweck und Absicht allein ist. Nun stellet aberdie ganze Figur mit Thurm, Zelt und umge-kehrtem Kegel als Bildsäule dahin, und dieImagination schlüpft wahrlich nicht mehr. Es istein häßliches Unthier von Lüsternheit und GothischcmZwange, das den Leib verunstaltet und alle guteFormen vernichtet. Hat die Gestalt noch Rest vonGefühl, wie wird sie sich die grobe Taille oder dcnplumpen Silberfuß einer Griechischen Ceres oder The-tis wünschen!
Die Bildsäule steht also als Muster derWohlform da, und auch in diesem Betracht istPolyklcts Regel das bleibendste Gesetz eines mensch-lichen Gesetzgebers. So wie es einen Strich auf derErde giebt, in dem die schone regelmäßige BildungNatur ist: so gab Gott Einem Volk dieses Erd-strichs Raum und Zeit und Muße, in ihrer Ju-gend und Lebensfreude das Werk, das aus seinerHand kam, ganz und rein und schön sich zu ertastenund in daurcnden Denkmahlcn für alle Zeiten undVölker zu bilden. Diese D.nkmahle sind dieklassischen Werke ihrer fühlenden Hand, wie ihreSchriften des feinfühlenden menschlichen Geistes: imstürmigen Meer der Zeiten stehn sie als Lcuchtthür-me da und der Schiffer, der nach ihnen steuret,wird nie verschlungen. Es ist traurig und ewig un-ersetzlich, aber vielleicht gut, daß die Barbaren vielvon ihnen zerstöret haben. Die Menge könnte unsirre machen und unterdrücke» , so wie in der Stadtdie noch jetzt die meiste» besitzt, es vielleicht den we-nigsten Geist giebt, der, ihrer wcrth, sic umfange