II. Antiquarische Aufsätze. 276
dir.n, an der Handlung so wenig Anthcil nehmenals möglich, und uns in wenigen Tagen und Stun--den so leer sind, daß man in Jahren keine Larvender Art sehen mag. Ich gebe cs gern zu, daß csbesser sei, wenn Gott die Hauptperson oder Haupt-personen des Gemäbldcs schön, als wenn er sie häß-lich gemacht hat; aber nun auch jede Nebenper-son? jeden Engel, der im Winkel oder hinter derThür steckt? Und nun, wenn diese Lüge vonSchönheit sogleich der ganzen Vorstellung, der Ge-schichte, dem Charakter, der Handlung Hohn spricht,und diese jene offenbar als Lüge zeihet. Da wirdrin Mißton, ein Unleidliches vom Gan-zen im Gemahlde, das zwar der Antikennarr nichtgewahr wird, aber der Freund der Antike um soweher fühlet Und endlich wird uns ja ganz u n-sre Zeit, die fruchtbarsten Sujets der Geschich-te, die lebendigsten Charaktere, all.sGefühl von einzelner Wahrheit und Be-stimmtheit hinwegantikist'ret. Die Nachwelt wirdan solchen Schöngeistereien von Werk und Theoriestehen und staunen und wissen nicht, wie uns war?zu welcher Zeit wir lebten? und was uns denn aufden erbärmlichen Wahn brachte, zu einer andernZeit, unter einem andern Volk und Himmels-strich leben zu wollen, und dabei die ganze Tafelder Natur und Geschichte aufzugeben oder jäm-merlich zu verderben. So viel vom großen Ge-setz der häßlichen Schönheit in einer Kunst, diePhantasie des Augenscheins und eineTafel der Welt ist.
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