Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 11 (1821) Römische Literatur. Antiquarische Aufsätze
Entstehung
Seite
268
Einzelbild herunterladen
 

S63

II. Antiquarische Aufsätze.

angedeutet baden; angedeutet, in einem feinen,scharfen Faden, und nicht in abgetrennten Haarenoder Haarklümpgen gebildet. Winkelmann balldiese Andeutung für Augcnbraunen der Grazien undich halte sie auch dafür in der Kunst nämlich.In der Natter ist der nackte, scharfe Faden ganzetwas anders, und auch Griechische Natur war undists nicht, wie kein Reisebeschreiher berichtet oder ge-sagt hat. Gnug, in der Kunst sind die Augenbrauender Grazien, dem sanften stillen Gefühl.Was sollten da die Büsche (Ltuxori) oder die sichsträubenden Bogen? Wer hat nicht gesehen, wie beiabgcnommencn ersten Gipsabdrücken eines Gesichtsjedes einzelne Haar so widrig und unsanft thut, alsjede Pockengrube oder jede fatale Unebenheit und Los-trennung vom Antlitz. Die einzelnen Härchen schauenuns durch, es ist wie eine Scharte im Messer, nuretwas was die Form hindert und nicht zu ihr gehört.Der Griechische Künstler deutet also nur an: ersatzte fürs Gefühl die Granze zwischen Stirn undAuge, wie eine sanfte Schneide hin, und ließ demSinn, der darüber gleitet, das Uebrige ahnden.

^ Einige Statuen haben Augapfel. Wo es er-träglich seyn soll, muß er nur angedeutet scyn,und die meisten und besten haben keinen. Es warschlimmer Geschmack der letzten Jahrhunderte, daman, statt schön zu machen, reich machte und Glasoder- Silber hineinsetzte. Eben so wars Jugendder Kunst, die noch aus hölzernen Denkmalenhervorging, da man die Statuen färbte. In denschönsten Zeiten brauchten sie weder Röcke noch Far-ben, weder Augapfel noch Silber, die Kunst stand,