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II. Antiquarische Aufsätze.
allgemein, so unbestimmt sage, welcher Liebhaber,welcher Meister hats nicht in tausend einzelnen Fäl,len, mit tausend Kunstgriffen und Meisterzügen er-probet? Mahlere» ist Repräsentation, eineZauberwclr mit Licht und Farben fürs Auge; demSinne muß sie folgen, und was ihr der Sinn fürZauberstabe gewahrt, darf sie nicht wegwerscn.
Selbst im Reizbaren zur Verführung ist dasNackte in beiden Künsten gar nicht dasselbe. EineStatue steht ganz da, unter freiem Himmel, gleich-sam im Paradiese: Nachbild eines schonen GeschöpfsGottes und um sie ist Unschuld. Winkeimannsagt recht, daß der Spanier ein Vieh gewesen seynmuß, den die Statue jener Tugend zu Rom lüstete,die nun die Decke trägt; die reinen und schönen-Formen dieser Kunst können wohl Freundschaft, Liebe,tägliche Sprache, nur beim Vieb aber Wollust stif-ten. — Mir dem Zäuber der Mahlerey ists anders.Da sie nicht körperliche Darstellung, sondern nurSchilderung, Phantasie, Repräsentationist, so öffnet sic auch der Phantasie ein weites Feldund lockt sic in ihre gefärbte, duftende Wollustgärten.Die kranken Schlemmer aller Zeiten füllten ihre Ka-binete der Wollust immer lieber mit unzüchtigenGemählden als Bildsäulen: denn in diesen, selbstin schlummernden Hermaphroditen, ist eigentlich keineUnzuch t. Die Ehärexn alt und neu, erbauen sichlieber an Gemählden des Schwans mit der Leda,als an ganzen Vorstellungen desselben. Die Phan-tasie will nur Duft, Schein, lockende Farbe haben;mit der treuen Natur der ganzen Wahrheit sind ihrdie Flügel gebunden, es stehet zu wahr da. Die