II. Antiquarische Aussätze. 257
Ehrfurcht soll sie cinflößcN, nicht Liebe. Das Hauptder Nymphen und Bestalinnen, die unsterblich schöneDiana, muß bekleidet seyn, wie cs ihr Stand undCharakter gebietet, und die Kunst es zulaßt. Abereine Gestalt der Schönheit, der Liebe, desReizes, der Jugend, Bacchus und Apollo,Eharis und Aphrodite, unter einem Mantel vonStein wäre Alles, was sie sind, was sie hier durchden Künstler seyn sollten, verschleyerl und verloren.Und man kann überhaupt den Grundsatz annehmen,„daß wo der Griechische Künstler auf Bildung und„Darstellung eines schönen Körpers ausging, wo ihm„nichts Religiöses oder Charakteristisches im Wege„stand, wo seine Figur ein freies Geschöpf der Muse,„ein substanzielles Kunstbild, kein Emblem, keine„historische Gruppe, sondern Bild der Schönheit„seyn sollte, da bekleidete er nie, da enthüllte er,„was er Trotz dem lieblichen enthüllen konnte."
Wir betrachten hieb nicht, was dies Nackte aufdie Sitten der Griechen für Einfluß hatte, denn mitsolchen Sprüngen von einem Felde ins andre kommtWan nicht weit; Nichts ist feinerer Natur, alsZucht und das Wohlanständige oder Aergerliche desAuges: es kommt dabei so viel auf Himmelsstrich,Kleidungsatt, Spiele, frühe Gewohnheit und Erzie-hung , auf den Stand, den beide Geschlechter gegeneinander haben, insonderheit auf den Abgrund vonSonderbarkeiten an, dm man Charakter derNation Nennt, daß die Untersuchung dessen eineigenes Buch werden dürfte. Es konnte den Gothen,die aus Norden kamen, die wirklich züchtiger und
Herders Werke Lit. >1- Kunst- Xl-