Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 11 (1821) Römische Literatur. Antiquarische Aufsätze
Entstehung
Seite
256
Einzelbild herunterladen
 

rä6 !l. Ainiguariche Aufsätze.

daran denken? Wer an die vittaü denken, -wnis,arrogws cruors rnaäsniss, da die hier nichts tha-tcn, als seine leidende Stirn voll Seufzen und Tod-tenkampses zum priestcrlichcn Steinpflaster zu ma-chen ? wer an ein Opfergewand denken, das diesearbeitende Brust, das diese gistgeschwollenen Adern,diese ringenden und schon ermattenden Baterhandezu tvdtem Fels schaffe? O der Pedanten des Übli-chen, des Wohlanständigen, des schlechtbeschnibendenVirgils, die ja nur Priestcrflguren im Holzmantelsehen mögen! und immer nur solche sehen soll-ten !

Es war vom Griechen Sprichwort, daß er lie-ber Fülle als Hülle gab, das ist, schöne Fülle,denn sonst bekleidete er auch. Philosophen, Cym-beln, hundertjährige Matronen konnten bekleidet dastehn; auch wo es Gottesdienst, und Zweck undEindruck der Bildsäule foderte oder ertrug. Ein Phi-losoph ist ja nur immer Kopf oder Brustbild:wenn er also auch nur, wie Zeno, sein Haupt überder Steinhülle zeiget! er muß nicht, als Jünglingoder Fechter da stehn. Eine Niobe, diese unglück-liche Mutter in Mitte ihrer unglücklichen Kinder, diehülflos um sic jammern und alle in ihren Schooßfliehen möchten, wie es die Jüngste that siekniet weit, und reich bekleidet da, denn sie istMutter, und ihr Todesstarrcs, gen Himmel ge-wandtes Gesicht , sammt der Tochter in ihremSchooße, ist Ausdruck genug, aus den der Künstlerhier wirkte und nicht auf kalte nackte Körperschönheit.Eine Irrno jVlatronu unbekleidet, wäre dem ent-gegen, was sie ist, was sie selbst vor Paris war;

Ehr-