II. AnNquarische Aufsatze.
2.V,
Schnitten und Taschen müßte in Marmor ein wah-res Göttergewand werden. Ei» Held in seinerUniform, allenfalls noch die Fahne in der Hand undden Hut auf ein Ohr gedrückt, so ganz in Steingebildet, wahrlich das müßte ein Held seyn ! DerKünstler, der ihn machte, wäre wenigstens ein schö-ner Komißschn.ider. Betaste die Statue in dunklerNacht, du wirst an Form und Schönheit Wunder-dinge in ihr fühlen.
Wie anders die Griechen! Sie, die gebobrnenKünstler des Schönen. Erzhüllcn und Stcindeckenwarfen »e ab, urd bildeten, was gebildet werdenkonnte, schöne Körpe r. Apollo, vom Siege Py-thons*), kam er unbekleidet? zerbrach der Künstlersich den Kopf, um doch hier einer Armseligkeit deslieblichen treu zu bleiben? Nichts! er stellte denGott, den Jüngling, den Ueberwinder mit seinenschönen Schenkeln, freier Brust und jungen Bau-mcswuchse nackt dar; die Last des Kleides wurdezurückyeschoben, wo sie am wenigsten verbarg, wosie den Emng des Edlen nicht hindert, wo sie viel-nuhc seinem hochmüthigen Stande wohl thut undauch nur als die leichte Beute des Ueberwinders schwe-bet. Laokoon, der Mann, der Priester, der Kö-nigssohn, bei einem Opfer, vor dem versammletcnWolke, war er nackt? stand er unbekleidet da, alsihn die Schlangen umsielen? Wer denkt daran,wenn er jetzt den Laokoon der Kunst sichet? wer soll
) Dunkelmanns Geschichte der K. S, iPr.