II. Amiquarische Aussätze. 249
d e und verengernde Kunstrcgeln, jenes bitter-süße Geschwätz vom allgemeinen Schönen, wo-ran sich der Jünger verdirbt, das dem Meister ekeltund das doch der kennerische Pöbel als Weisheits-sprüche im Munde führet. Endlich kam ich aufmeinen Begriff, der mir so wahr, der Natur un-srer Sinne, beider Künste und hundert sonderbarenErfahrungen so gemäß schien, daß er, als der ei-gentliche subjektive Grenzstein, beider Kün-ste und ihre Eindrücke und Regeln auf dielindeste Weise scheidet. Ich gewann einen Punkt,zu sehen, was jeder Kunst eigen oder fremde, Machtoder Bedürfnis!, Traum oder Wahrheit sei, und eswar, als ob mir ein Sinn würde, die Natur desSchönen da furchtsam von ferne zu ahnden, wo —doch ich plaudrc zu frühe und zu viel. Hier ist dernackte Umriß, wie ich glaube, daß die Künste bestSchönen sich zu einander verhalten:
Einen Sinn haben wir, der Theile außersich neben einander, einen andern, der sie nacheinander, einen dritten, der sic in einandererfasset. Gesicht, Gehör und Gefühl.
Theile neben einander geben eine Fla-che: nach einander am reinsten und einfachstensind Töne, Theile auf einmal in - neben - beieinander, Körper oder Formen. Es giebtalso in uns einen Sinn für Flachen, Töne, For-men , und Wenns dabei aufs Schöne ankommt, dreiSinne für drei Gattungen der Schönheit,die unterschieden seyn müssen, wie Fläche, Ton,Körper. Und wenns Künste giebt, wo jede inEiner dieser Gattungen arbeitet, so kennen wir auch