Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 11 (1821) Römische Literatur. Antiquarische Aufsätze
Entstehung
Seite
243
Einzelbild herunterladen
 

n. Antiquarische Aufsätze.

24 3

tcnder als Sonnenstrahl und unser Auge auf seinenFlügeln: eine Welt außer und neben einander wirdihm auf leinen Blick offenbar. Und da diese Weltnicht wie Schall vorübergeht, scnd-rn bleibe undgleichsam selbst zur Beschauung einladet, da derseine Sonnenstrahl so schon färbt und so deutlichzei et; was Wunder, daß unsre Scelenlchre amliebsten von diesem Sinne Flamen borget?- IhrErkennen ist Sehen, ihr bestes Angenehme Sch ön-h e i t.

Es ist nicht zu iäugnen, daß vcn dieser Höhenicht Viel sollte übersehen und Vieles des Vielen sehrklar, licht und deutlich gemacht werden können. DasGesicht ist der künstlichste, philosophischste Sinn. Eswird durch die feinsten Ucbungcn, Schlüsse Verglei-chungen gefeilt und berichtigt, es schneidet mit einemSonnensirahle. Hatten wir also auch nur aus die-sem Sinne eine rechte Phänomenologie desSchönen und Wahren: so hatten wir viel.-

Indessen hätten wir mit ihr nicht alles, amwenigsten das Gründlichste, Einfachste, Erste. DerSinn des Gesichts wirkt flach, er spielt und gleitetauf der Oberfläche mit Bild und Farbe umher;überdem hat er so Vieles und so Zusammengesetztesvor sich , daß man mit ihm wohl nie aus den Grundkommen wird. Er borgt von andern und baut aufandre Sinne: ihre Hülfsbegr i ffe müssen ihmGrundlage seyn, die er nur mit Licht umglan-zet. Dringe ich nun nicht in diese Begriffe nnlrerSinne, suche ich nicht Gestalt und Form, statt zuersehen, ursprünglich zu erfassen , so schwebe ich

Q 2