229 II. Antiquarische Aufsätze.
das unschuldige Kind emporgehvben, um durch diesenKunstgriff den Zorn der Götter zu entwaffnen; aberhier ist lauter Weisheit. Niobe denkt nicht wie ge-meine Mütter ungclheilt blos an ihre jüngste Toch-ter ; diese lehnt sich sanft an den Schvoß der Mut-ter; aber auch sie, obgleich die jüngste, sichet zu-rück, ob noch mehrere Streiche auf sie warten; siescheint durch die sanfte Wendung ihres kleinen Armseinen Pfeil abzuhalten, oder ihr Antlitz vor dem un-ausstehbaren Glanz der gegenwärtigen Gottheiten zuverbergen. " *)
3 .
L a o k o o n.
Nach der allbekannten Beschreibung der GruppeLaokoons in Winkelmanus Geschichte der Kunst **)hat die Auseinandersetzung des Kunstwerks in denPropyläen ***) mit Recht ihren Ruhm erhalten.Au Rechtfertigung der zehnten Stanze des vorstehen-den Gesanges bemerke ich, daß der Künstler sowohl
*) Man vergleiche diese jugendlich - schöne Ansichteines Seelcnvollen Künstlers mit der ausführli-cher« und genaueren eines andern Künstlers, dieohne Zweifel das Beste ist, was über diese Grup-pe geschrieben worden. Propyläen B. 2.St. r. S. H 8 . B. 2. S. 123.
S. 3 H. 8 . Dresdner Ausgabe.
"*) Propyläen B. 1. St. S. r.