II. Antiquarische Aufsätze. 229
die Windungen der Schlangen, als das Momentder Handlung selbst offenbar zur Würde seinesHelden geordnet. Es ist kein erster Anfall derSchlangen auf ihn; er hat sich von der, die ihnumschlang, fast losgcarbeitet und hebt ihre Ringeempor; dafür bringt sie ihm niederwärts und vonhinten ihren Biß bei. Durch diese Anordnungbehielt der Künstler nicht nur die edlen Theile desKörpers, Haupt, Brust, Leib und den einen Schen-kel von jeder widrigen Verbindung mit dem Schlan-genkörper frei; sondern, indem durch dies gegen-seitige Streben die Schlange zu ihrem nieder» Bißgereizt zu werden scheinet, erhalt der Held auch imMoment dieses Schmerzes die Stellung einer rin-genden Thätigkeit, ohne welche er, wenn erblos wie im Kitzel zusammenschrumpfte, kein wür-diger Anblick der Kunst gewesen wäre. Jetzt ist inder Gruppe Alles Handlung, Alles Bewegung;der kämpfende Held steht mit freier Brust und freiemKörper da; indem er aber den tödtlichen Biß em-pfängt, bekommen Körper und Haupt zugleich dieflehende Stellung, in welcher er, nicht kühnwie Ajax, aber Schmerzvoll seufzend, cmporblicktund mit den Göttern zu rechten scheinet. Wirklichalso sinds G ö t t e r q e sa nd t e Schlangen, in de-ren Kampf er ermattet; als eine tragische Idylleerklärt sich die Vorstellung nicht, wohl aber als derKampf eines Helden, der dem von einer höher»Macht gesandten Ungeheuer, unrühmlich nicht, un-terlieget. Die reinste und edelste Kunstgruppe einesMärtyrers des Patriotismus und der Wahrheit, inder das schwerste Problem der Darstellung eines anstch nicht reizenden Körpers und widriger Schlangen