I. Zur römischen Literatur. 2o5
ben, träger Wohllust nämlich oder einer Las-sen -I r r c l i g i o si t ä t, m dem Sinn, wie Wirdas Wort nehmen. Epikurs Wohllust (schöner, abermißbrauchter Name) war das reinste Vergnügen,dessen die menschliche Natur fähig ist. Den Wahn,die schädlichen Jrrthümer, die das Menschengeschlechtunter dem Joch des Aberglaubens und Psaffenthums,unter der Hülle ewiger Blindheit zurückhiclten, be-streiten auch wir; auch wir suchen das Licht und dieFreude sicherer Wahrheit, deren Er und seine Schü-ler sich so hoch freuten. Diesem Wahn entkommenzu seyn, im Acther reinerer Ideen zu arhmen; daswar ihre Wohllust, ihr Neckar. Die feste Ordnungder Natur zu kennen und in ihr sicher zu wohnen,war ihre P r o m e t h e i s c h e, mehr als Götterfreude.
Es kommt nicht darauf an, ob die Art, wie siesich die Natur erklärten, und eine festbestehen-de Ordnung derselben erwiesen, uns die wahre,die richtige dünke; ihnen dünkte sie es nicht; sieward von ihnen angenommen, ge glaub et.Daher der hohe Triumphton, mit dem Parmeni-des, Empcdoklcs, und nach ihnen Lucre^den Sieg ihrer Weisheit ankündigen. Wie Her-kules treten sie auf, ins Fell des erschlagenen Lö-wen gekleidet; wie Simson stehen sie da, die aus-gehobenen Thore des Feindes auf ihren Schultern.Sprachen, (wenn gleich nicht so laut und kühn,)in spätem Zeiten, die Bruno's, die Eampa-nella's, und wer sonst die wahre Ordnung derNatur einzusehen und festzuhalten glaubte, anders?Lobpreisungen dieser Art dringen uns in Lucrez ansHerz, weil sie vom Herzen kommen, da inniggefühl-te Wahrheit und Warme sie belebet. Frei von Ban-