I. Zur römischen Literatur. 191
Kritik. Eine Gewohnheit, die höchstenssckale Witzlinge macht, indem sie den prüfen-den Verstand, wie die stille Bemerkung, in welchemStande cs sey, — verbannet.
Satyre. Daher man mich auch in diesenJahren nur die lachende Gafferin nannte.Der Neigung zu gaffen fügte ick ein Talent bei,das mir die Natur in reichem Maaße gegeben hat,die Gabe nach zuah men. Der Mensch, der Äffeund der Spottvogcl *) haben, wie du weißt, diessonderbare Talent, das Dein'Aristoteles sogar zumPrincipium aller Kunst und Dichtkunstgemacht hat —
Kritik. Laß meinen Aristoteles weg, Satyre.
Satyre. Einige Menschen besitzen es in sol-chem Grad, daß bei ihrer Nachahmung der Nach-geahmkc in Gang, Gesicht, Gebebrde, Sitten undWorten leibhaft dastehet; ander» lächerlich, ihmaber deshalb nicht erfreulich.
Kritik. Weil er inEarric a t u r dargrstelltwird, mit Uebertreibung seiner Eharakterzüge. Sogar hoch setze ich diese übertreibende Mimik nicht.
Satyre. Ich auch nicht; indessen ist sie we-der die Boshafte, für die man sie oft halt, nochdie Verständige, deren Maske sie oft annimmt.Talent ist sie; eine Art feiner Elasticitat derSeele und des Körpers, die in der Schule des Ver-standes und der Sittlichkeit erst ihre Anwendung
*) IVlocKinZ- kirä, ein Amerikanischer Vogel.