i56 I. Zur römischen Literatur.
Zeigen! Klopf' hier an! Du unterscheidest, was
hohl tönt
Oder voll ist; du weißt, wie Wahrheit und die ge-wählte
Zunge reden. O hier, hier möchl' ich gerne mir
hundert
Stimmen wünschen, es rein zu sagen, wie sehr
ich in allen
Winkeln meines Herzens Dich festgchestct mir habe,Aufzuschlicßen in Worten, was im geheimsten Ge-fühle,
Mir, wie ein unaufzeigbarer Schatz liegt.
Als ich ein Jüngling
Kaum die Purpurtoga, die Hüterin meiner zartenSchüchternen Kindesjahre bahingelcgt und die BullaMeinen Laren geweiht; als schmeichelnde, leichte
Gesellen
Und mein weisscs männliches Kleid mir völlig cr-
crlaubtcn,
Rings die Augen umher nach einer Lais zu werfen.Auf der zweifligen Stelle der Jugcndruse, wo öftersDas des Lebens unkundige Herz mit Zittern auf
Irren,
Auf Abwege gerath; da gab ich Dir mich; ZarteJünglinge nimmst du auf in deinen Sokratischen
Busen,
O Cornutus, und legst an ihre verzogene SittenUnvermerkt dein Richtmaas und machst sie spielend
gerade.
Nur ine Vernunft muß an sie setzen; da ringet die
Seele
Won der Vernunft besieget zu seyn, als Künstlerin
formt sie