r3o I. Zur römischen Literatur.
Das Buch wird wieder aufgcschlagen, und nunhabe ich kleine Ruheplätze, Ausschweifungen, Umwe-ge aber nicht. Der Lauf des Dichters ist mir Au-genmerk, und ich sage mir: hier war der Gesichts-punkt — wie reich, wie prächtig, wie anlockend!das alles nahm der Dichter ins Auge: fo mußte eranfangcn, und fortfahren. Jenes und dies kam demDichter in feinem Laufe zur Hand, und wie einStrom, in den sich Strome stürzen, walzt sein Ge-sang sich prächtiger fort. Hier ein Fels: anprallcndnahm er andern Weg, oder schlangelte sich durchsgeblümte Thal: überall aber der Römer, der Rö-mer seiner Zeit, als — Dichter. Wenn ich mirdies jetzt deutlicher sage, so denke ich an keine All-gemcinregeln! an keinen Longin und Batteux, ankeine Fächer der Odenfabrik. Dieser Römer, unddieser Dichter, und diese Situation, und diese Odeist'mein Alles jetzt. So weit das Odcngenie und —
Noch denkts an keine Gelegenheit, selbst — wie?etwa Wortkritiken zu machen? etwa über einen Geß-ner, eines kleinen Fehltritts wegen, seitenlang dieAchseln zu ziehen? etwa die Bcntleys und Baxtersund Sanadons zu vcrläumden? — o wer wird dochan so etwas denken? Es denkt selbst noch nicht an— eine Gelegenheit, diese Ode nachzubilden. „Dasist viel! wird man sagen," lja das ist viel! undvortrefflich, daß cs an so etwas nicht denkt. Einststoße ihm eine Situation auf: Apollo wecke ihn mitder Leycr: er wird singen, horazisch oder — viel-leicht mehr als horazisch singen ; ohne aber, daß demgeneigten Leser dabei nichts, als Purpurlappen desRömers, zu Gesichte kämen, ohne ihm die xroelis