I. Jur römischen Literatur.
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der ist mit der successiven Energie des Dichters garnicht einerlei, kaum zu vergleichen.
Ich schreibe über Horaz: wer will, der höremich von meiner Erklärungsmethode dieses Dichtersschwatzen. Zuerst ist das ausgemacht, daß keinermeiner Horaziancr aus Horaz Latein oder römischeAltcrthümer lernen solle. Lieber komme ich jedemzuvor: lieber mache ich ihn unvermerkt mit der
Welt bekannt, in die ich ihn führen will, mit derSprache, in der der Dichter sprechen wird; unver-merkt suche ich ihm die ganze Situation unterzuschie-ben, ihm den Pfad von Gedanken und Bildern vonweitem zu zeigen, wo wir den Dichter finden wer-den. Ich fange an: und ohne Bemerkung einzelnerSchönheiten, schöner Ausdrücke, gewählter Phrases,jage ich seine Ode hinab; ich fliege mit ihm, oderschwimme den Strom seines Gesanges hinunter. Un-lieb, wenn mich mein Zuhörer störte, unlieb, wennsein Auge an Kleinigkeiten hangen bliebe: denn sowürde der ganze Zweck des Dichters, die Art vonTäuschung gestört, in die mich sein Gesang setzensoll. Ich bin darin gesetzt, ich bin zu Ende: dasGanze der Ode, ein Haupteindruck, in wenigen, abermächtigen Zügen, lebt in meiner Seele: die Situa-tion der hcrazischen Ode steht mir vor Augen, und— mein Buch ist zu. Nicht vom Papiere, aus demtiefen Grunde meiner Seele hole ich diese wenigen,mächtigen Eindrücke hervor: mir ist die Ode einGanzes der Empfindung geworden. Dies bewahreich: die wenigen zusammenfließendcn Züge des Bil-des bleiben in meiner Seele: dies ist Energie, dismir die Muse successiv bereitet.
Herders Werke Lit. u. Kunst. XI. I Löm.