Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 11 (1821) Römische Literatur. Antiquarische Aufsätze
Entstehung
Seite
125
Einzelbild herunterladen
 

I. Zur römischen Literatur.

„steiler? jedes einzelne Wort erklärt, die Perioden„aus einander gezogen, jeden vierten Tag, ein klei-„ncs Pensum auf die Art in kleine Brocken zcrstückt.„Jsts möglich, daß ein Jüngling auch von Seelen-„kcasten, und gutem Gedachtniste, diese mit Erklä-rungen übcrladnen und aufgedunsteten Tdeile, sich„so gegenwärtig erhalten, sie so verbinden könne,„daß ein Körper, ich will nicht sagen, ein schöner„Körper; nein! nur allenfalls ein Körper, daraus„werde; daß er nur, was er lese, behalte, und dar-„übcr Rechenschaft gebe." Geßner giebt Beispiele,die eigentlich nicht für mich gehören; ich erinneremeine Leser daran': wie oft cs möglich sey, solcher-gestalt seinen Schriftsteller so ganz aus dem Gesichtezu verlieren, daß man endlich nichts minder, alsihn, erläutert, anführct und kennet. Er fahre fort:

„Auch daher, oder ich müßte mich sehr irren,„auch daher unter andern rühret der stupor xaeäa-„Aogiaus, der fast zum Sprüchworte geworden,„daß man Leute sieht, die einen guten Theil ihres„Lebens unter den weisesten Geistern von der Welt„zubringen, und doch daher nichts, als Worte, mit-„bringen; statt ihnen gleich zu werden; statt, wie„sie, denken, schließen, reden zu lernen.

„Um so minder kann jemand bei solcher Lang-samkeit von der wahren Gestalt und Schönheit„eines Buchs einen Eindruck bekommen: denn, je„lebhafter, um so verdrießlicher wirds ihm seyn,„sich zu bewegen, und nicht weiter zu kommen (ss„rnovoro czuicioni , socl non proinovsro) inson-derheit da er, der Umschweife wegen, eine Stelle,„ein Bild zwei, drei, viermal hören mußte.