I. Zur römischen Literatur. 121
Noch weniger kann ein Genie mit der geschmacks-vollen Erklärungsmethode zufrieden seyn, die ich denedlen Gemmengeschmack nennen will. Ich lobe diestillen, die edlen Verdienste eines Lipperts um denGeschmack an den Antiken in Deutschland; aberwelcher leidige Kram der meisten Gemmengclchrsam-keit! Selten, daß er eine wichtige Stelle neu erläu-tert: oft, daß er müßig da steht, und oft, daß wirihn gar wcgwünschen; denn er bringt uns aus dempoetischen Tone des Ganzen.
Obne daß man mirs vordcmonstrire, erkenneich den vielfältigen, nutzbaren Gebrauch der geschnit-tenen Steine, und wünschte daß der Nutzen der lip-pertschcn Daktyliothek in manchen Proben so gezeigtwäre, wie Demokrit die Bewegung hemonstrirtc:nämlich, ich bewege mich selbst! Aber das müßteuns Hr. Klotz doch nicht bereden wollen, daß beiLesung der Dichter der Anblick der Gemmen uns ei-gentlich poetischen Anblick gewähre. Eine Haupt-figur, eine Stellung, etwa ein Charakter, so fernrr sich körperlich äußert — das kann die Kunst schil-dern. Aber dem Dichter, dessen Blick immer aufsGanze geht, wie der freie Blick der Juno, der mitjedem einzelnen Bilde nur auf die Hauptwirkungseiner Energie fortarbci'et: der nicht für das Augeartige, spielende Figuren und Puppen, und Bilderund Tändeleien, (wohin unsre Zeit verfallt): sondernfür die Seele, für die Einbildungskraft, für denVerstand, für die Affekten feurige Gedanken redenwill, dcm berührt sie nur immer den Saum seinesKleides; will sich an ihn hängen. Soll ich bei je-dem Bildchen Homers, Pindars und Horaz erst