98 I. Zur römischen Literatur.
höchste Einfalt die reinste Anmuth such-te, unbesorgt über das, was d.r Pöbel prosaisch oderpoetisch nennen möchte. Die höchste Poesie war meinZiel, die Poesie des Herzens und der Empfindung.Ich zahlte und maaß nicht nur, ich wagte die Syl-ben im Fluge des Wohllauts; auf eine vorher un-geahnte Weise machte ich Euch Eure ganze Sprachemelodisch. Was kümmerte mich, wofür Zhrmeinen Messias haltet ö Was er wirken sollte,hat er gewirkt und wird es wirken; nächst Lu-the r s D i b e lüb e r i ehu ng bleibt er Euch daserste klassische Buch Eurer Sprache. Meine lyri-sche Gedichte haben Eure Saitenspiele tausend-fach belebt; statt des schmalen Brettes von vier cin-töni-cn Saiten gaben sie Euch ein reiches P s a l-terivn, Apollo's Köcher voll musikalischer Pfeile.Keine meiner Oden ist der andern gleich; jede blü-het, eine lebendige Organisation an Gestalt, an Duftund Farben. Die Töne meiner geistlichen Lie-der waren für Euer Jahrlundert eine neue Harfedes Isaiden; sie erquickten den Kranken, stärktendenHMatren, beseligten die Sterbenden und werdenes thun, so lange das Menschenbcrz, was eü ist,bleibet. Eure B arden , Euren Hermannsuchte ich Euch wiederzugcben; er war Euch zu fern;er wird Euch naher werden, und Zbr werdet mirauch für diese Töne danken." Noch steht die Ge-stalt liebreich da, und spricht mir von so manchemAndern. Verhalle nicht, liebliche Stimme unsersSelma; doch du kannst nicht v.rhallcn aus unsrerSprache, so wenig als aus Haimn und Bergen dietausendstimmige Echo. Dreifache Kranze schmückenDein Grab, guter Kjopstock; juforderst dein Iu--