I. Zur römischen Literatur. 9s
Worauf ich dich hiebei nicht genug aufmerksammachen kann, (ich wiederhole es nochmals) ist daswenig beachtete Kunstwerk des Dichters in jederOde; ihr ninkitns und perroäus, ihr Stand-punkt und ihre Wendung, ihre Anlage undA usfüh rung; hier herrscht L c b e n sv er s t a n d,G ra zie und An m u th. Vom kleinen Eompli-meilt einer Einladung, eines Glückwunsches an, durchalle Stufen mehrerer, künstlichgevrdncter Gliederder Ode, z. B. des Gegensatzes, der Erweiterungunsres Sinnes durch Beispiele, Sprüche, oder end-lich durch einen kühnen Auslauf in ein großesBeispiel— allenthalben bleibet Horaz seiner Sit-t e treu, ob er wohl von Vorbildern so mancherArt, von Ale aus, Sappho, Pin dar, denEpigrammatikern borgte. Daß wir in ihm,und durch ihn fast allein einen Garten der ly-rischen Grazie G r i e c h e n l a n d s haben ,macht ihn uns siebenfach werth, indem wir, da dasSchicksal jene Denkmale vertilgt hat, ihn, wie T e-renz, Eatull, Propcrz u. f. statt der Grie-chen lesen.
Petrarca sagte, daß er bei .keinem lateini-schen Dichter so besser worden sei als bei Ho-raz;"*) Shaftesburi, Hagedorn, Uzund
*) k'raneiseus ^elrsres , sni 8eeu1i vir äoc1.i.88i-INN8, äicsrs svliius est, 8s ex nulloIstino er-n.5r'§/e ex I-Iorsiiv;
^1106. äieinni anclivinii-
riüee prseclio^nt^m,. 6eo?L in xrsek.
liorat. k'rk, 1600,