Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 11 (1821) Römische Literatur. Antiquarische Aufsätze
Entstehung
Seite
85
Einzelbild herunterladen
 

I. Zur römischen Literatur. 65

welche kein Lobpreis dem Fremden, der daran nichtThcil nimmt, anmuthig scyn kann. Jede Ode anMaccnas lesen wir mit neuem Vergnügen: denn siebietet einen neuen Inhalt dar. Und immer einenInhalt angenehmer, fröhlicher Gattung, oft mit demScherze gewürzt, der in Macenas Umgänge selbstherrschte.

Sogleich die Zueignung dieser lyrischen Gedich-te. a) Hoch sangt der Dichter mit seineraltenKönigssprosse Macen" an, weiß sie aber bald solieblich ins Leben zurück zu führen, daß, bei allemStolz des Ausganges der Ode, Horaz ganze Dich-terei ein enthusiastisch-edles und süßes Spiel wird,ein Zeitvertreib, wie cs mehrere Zeitvertreibeanderer gebe. Horaz Einladungen an Macen k>) sindso ehrerbietig, als schlicht und scherzhaft; nie hinge-worsen und knechtisch, nie zudringlich und überweise;Staatslehren giebt er ihm nie. c) Eben dieser an-ständige Rückhalt mit einiger Vertraulichkeit ge-mischt, bezeichnet den Mann der Grazie imUmgänge wie in der Dichtkunst. Der Ode diesleiechte Eolorit, diese scherz - und ernsthafte Mittel-tinten zu finden, ist wahrlich schwerer, als cin Buchausströmenden Lobes. So wird Horaz, in der letz-ten Ode, mit der er die erste Sammlung seiner ly-rischen Gedichte schloß, vor Macens Augen cinSchwan;ä) in der, die diese Sammlung anfing,berührte er mit seinem Scheitel die Sterne, s)Aber auch die Sprache des Herzens verstand

») I, 1. k>) I, so. c) n, 12. m, 8, 29.

ck) II, 20. e) I, 1.