82 I. Zur römischen Literatur.
Nischen Nachahmer und Nachciscrcr unbemerkt geblie-ben; vorzüglich aber unsre Sprache kann sich meh-rerer Dichter freuen, die ihn im reinsten Licht auf-gefaßt haben; Hagedorn, Uz, Götz, Kleist,Gleim u. a. Laß dir diese Sänger der Lcbcnsphi-losophie, die man jetzt Versisicatoren nennt, nichtverleiden, guter Jüngling; sie enthalten mehr alsden neuern Klingklang in Schellen und Reimen.In ihrer alten Schale ist süßer Kern, Anmuthdes Lebens, ernst-frohe Lehre.
Jetzo weißt du noch nichts von dem.Elend,
Wie Grazie lacht das Leben Dir;
Auf, und waffne dich mit der Weisheit:
Denn, Jüngling, die Blume verblüht.
Wie sittlich übrigens Horaz seine Feierstun-den des Lebens anordne, dessen sind mehrereOden Zeuge. Nichts ist ihm mehr zuwider als derRausch, die Trunkenheit jedes Vergnügens; sie istihm eine barbarische Entweihung dieses Namens.Gern knüpft er daher diese Stunden an feierlicheTage des Staats, an die Rückkunft eines Freundesoder sonst an eine freudige Begebenheit seines Le-bens. In und um Rom erinnert so Manches anden liebenswürdigen Dichter, der esquilinische Berg,der heilige Weg zum Kapitol, der Berg Soracte,vorzüglich aber mit seinen tausend Annehmlichkeiten,Tibur. Es ist als ob dort im Thal und auf Hö-hen Horazens Geist noch schwebe.