8o I. Zur römischen Literatur.
Einen Unsinn kann keine Dichtnngsart federn; auchdie Wendung der Ode also, ihr Tan;, ihr mäan-drischer Gang müssen Zweck und ihren Grund inder menschlichen Seele haben; den haben sie wirk-lich. Directe, gar aufgedrungene Lehre belehrt we-nig; sie ermüdet und beleidigt sogar. Dagegen einunerwarteter, aber vorbereiteter Wink, gleichsameine stumme Lehre, eine Miene der Le b cn s g raz i e,sie trist das Herz, sie erweckt und belebet. Daher,daß man fast in jedem sittlichen Vorträge nicht diekürzeste Bahn, sondern angenehmer zum Ziel zukommen, einen sanften Umweg wählte. Von derParabel, vom Epigramm an ist dies der Fall;wie denn nicht bei dem verschlungensten Herzcnsge-dichte, der Ode der Leidenschaft und ihrem kleinernAbbildc, einem Blumenstrauß der lyrischen Phanta-sie und Empfindung? Scy es zu einer belehrendenGrabstätte oder zu einer heitern Höhe; auf Umwe-gen führt uns die Grazie zum Ziel. Unvcrmuthctfinden wir uns da, und freuen uns oder weinen.Wie mancher, der sein Leben vergeudete oder ver-letze, liefet den Horaz nur traurig!
, Du, Jüngling, darfst ihn noch fröhlich lesen :denn dein Leben ist vor dir; fröhlich über jede Le-bensführung und Situation des Lebens, die er schil-dert. Wenn bei wiederkommendem Lenz er zumneuen Genuß des Lebens, als ob dieser Lenz derErste und Letzte wäre, zum Tan;, zur Freude er-muntert *), wenn er seinen Freund PlaNkus mitdem Beispiel Teurers aus der Trauer **), den
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