I. Zur römischen Literatur. 79
und so treue Liebhaber fand, die sich an ihm erhei-terten, stärkten, erquickten. Wo man aufschlagt,findet rurn Winke dahin; wenn man ihm in seinfröhliches Gesicht sieht, erinnert man sich, wozuman lebe. Und darf man mit Hagedsr n sagen:Horaz, mein Freund, mein Lehrer, mein Begleiter,Wir gehen aufs Land —
gönnte uns gar das Schicksal, Horazcns seligesLoos, fast unabhängig, frei von quälenden Sorgenund nutzlosen Geschäften, sich selbst und den Sei-nen, seinen Freunden und den Guten jedes Zeital-ters zu leben; freudig nennen wir alsdann seineGrazie unsre Schwester.
Daher aber auch Gegentheils, daß MenschenDon wildem Gemüth, von stürmischen Leidenschaften,an Horaz wenig finden; er ist ihnen zu gemeinund alltäglich. Menschen ohne Gemüth, in bar-barische Hof-Etiquette gehört er gar nicht; Ermacht die Seele frei, von jedem Borurtbeil, vonjeder Bürde und Äfferei des Lebens. Und zwar thuter dies nicht ernst und steif, wie Ehrysipp und Eran-tor; sondern als ob ers nicht thäte, mitgeschickten Wendungen, lyrisch.
Wer doch unfern abzirkclndcn Pedanten gesagthaben mag, „daß die Ode in einem Rausch, ineiner Trunkenheit bestehe, da man zwar weiß, wo-her man kommt, aber nicht wohin man will undwie man dahin kommt?" Wer ihnen gesagt habenmag, „daß diese Tollheit nüchtern erpreßt, mäan-drisch affcctirt werden müsse; so fodre cs die Ode."