66 I. Zur römischen Literatur.
Sparend sonst, dem Erworbenen wachsam, weitetejetzt sie
Ihrem Gaste die enge Brust. Was erzähl' ichlange?
Nichts verschonte sie; nicht aufbewahrete Kichern,
Länglichen Hafer nicht; sie trug mit eigenemMunde
Dürre Wurzeln und halbbcnagete Stückchen Speckher,
Wünschend den Ueberdruß der Freundin, die, wiemit stolzem
Zahne die Speisen einzeln berübrete, durch die Ver»ändrung
Ihres Mahls zu bezwingen; indeß auf heurigesStroh sie
Hingestceckt sich mit Spelz und Trespe bcgnügcte,lassend
Jede bessere Speise dem Gast, der am Ende dannso sprach:
„Freundin, gefällst dir ein so hartes Leben amsteilen
Waldesrücken? Geliebt es dir nicht, der wilden Be-hausung
Vorzuziehen die Stadt und Menschen? Traue dichMir an,
Auf! und mache den Weg mit mir. Ein Erde-geschöpf ist
Sterblich; groß oder klein, nicht Eins entkommetdem Tode,
Drum, meine Gute, so leb', als lange zu lebenvergönnt ist,
Du dem Vergnügen, gedenk des Daseyns Kürze."