366 Vom Geist
sie aus Griechenland, und die Griechen hatten sieaus dem Oriente.
Bei den übrigen Abendländern und nordischenVölkern gieng die Musik noch lange nach ChristiGeburt, unter Aufsicht der Priester, mit in denKrieg, und gewann Schlachten fürs Vaterland. Inden folgenden Jahrhunderten nach Christi Geburtmuß sie auch als Tonkunst verfallen seyn. Es istsehr wahrscheinlich, daß sie in den unruhigen Zeiten,wie die Gelehrsamkeit, in die Klöster geflüchtet sey,wo sie auch itzo noch vielleicht die besten Dienstethut, wenn sie da euren unzufriedenen, traurigenMönch, der lange mit seinem Grame heimlichkämpfte, und auf dem Wege war, seinen Vaterund den Tag seiner Geburt zu verfluchen, wennsie den beschäftigen, und seiner Seele zu dem gro-ßen Entschlüsse , sich selbst zu überwinden, empor-streben hilft.
Beim Gottesdienste in Rom versuchte die Mu-sik von Zeit zu Zeit muthwillig zu werden, daß auchverschiedene Päpste sich gemüßigt fanden, ihremMuthwillen Schranken zu setzen. Papst Marcel-lus H. wollte sie aus der Ursache gar vom Altarverbannen, aber Palcsrrina versöhnte ihn nochdurch eine Messe wieder, die ohne allen Muthwil-len langsam und andächtig einher geht, ihr Augeunbeweglich gen Himmel richtet, und in jedemSchritte das Her; trifft.
Heut zu Tage cmpsehlen sich besonders die deut-sche und italienische Musik durch hervorragende Ei-genschaften. In beiden haben wir treffliche Meister-stücke, und große Meister, die den Ruhm verdienen,