Druckschrift 
Religion und Theologie Theil 2 (1826) Vom Geist der ebräischen Poesie ; 2
Entstehung
Seite
119
Einzelbild herunterladen
 

der Ebräischen Poesie. 119

ihm, noch mehr von Assaph und einigen Anonymen,sind voll der reinsten Lehren. Salomens Sprücheenthalten viel morgenländische Hosmoral: denn essind eigentlich KlugheitS-, nicht abstrakte Tugend-lehrcn. Indessen ist auch in ihnen so viel reinesGold, und alle Lebensweisheit gründen auch sieauf die Furcht Jchovahs. Die Propheten tretenan Fülle und Lauterkeit den meisten Gnomvlogender Griechen weil vor und das Buch Sirachs istein blühender Garten voll Zucht und Lehre, auchin Bildern, auch in Gleichnissen und Gemälden.Kurz, man kann vom Gesetz Moses sagen, wasdies Buch sagt:Weisheit ist daraus geflossen , wiePison, Tigris, wie der Euphrat und Nilstrom,wenn er übergehet und das Land befeuchtet."

Moses Gesetzgebung hatte die Idee, ein freiesVolk zu bilden, das keinem als dem Gesetz unter-worfen wäre, und damit niemand ihnen die Frei-heit nähme, ward Gott selbst Gesetzgeber, Gesetz-bewahrer, König. Er wohnte unter seinem Volk,und das so mißbraucht WortTempel" war ei-gentlich Haus des Gesetzbuchs, über dem Gottwachte. Das ganze Volk war ein pricstcrlich Reich:jeder also dieses Königs und seines Gesetzes Diener:du sollst mir ein priesterlich Königreich seyn!"war das Principium, in welches Moses seine Ge-setzgebung faßte. Wollen wir diese nicht Theokratie,so laßt sie uns Nomokratie nennen; nur für diePoesie, die daraus entsprang, nach der Wahrheitjener alten Zeit und Geschichte ist das Wort Theo-kratie viel ausdrückender und schöner. Alle bürger-liche und gottesdienstliche Poesie ward theokratisch:lasset uns sehen, was in der Gattung lag: