der Ebraischen Poesie. 2i
tung der Cherub die beste Probe seyn kann. Löwe,Stier, Mensch und Adler sind bekannte Wesen;die Zusammensetzung derselben zu Einem Symbolwar Dichtung. Man flehet, ich brauche Dichtunghier nicht für Lüge: denn im Reich des Verstan-des ist die Bedeutung des Symbols, das dichterischzusammengesetzt ward, Wahrheit. Selbst die Stückeder Zusammensetzung sind aus der Natur, und ichkenne kein Figment der Welt, das nicht seine Theiledaher nähme: daher auch die Erfindung, neuer,ganz neuer Figmente so schwer ist, daß die größtenDichter einander wiederholen, und die entferntestenNationen in erdichteten Wesen auf wenige Haupt-fermen Zusammentreffen muffen. Eine dieser Haupt-formcn aller Nationen, die Poesien haben, ist derCherub; vielleicht die älteste Fiction der Welt. Ersteht auf den Ruinen von Pcrsepolis, die mit ihrerSchrift und Bauart über die uns bekannte Ge-schichte humusreichen, und liegt als Sphynx vor sovielen ägyptischen Tempeltrümmern. Von ihm re-den indianische, tibetanische, sincsische, persische,arabische Mährchcn, und er kommt in den altengriechischen, so wie selbst nordischen Sagen, nurbei jeder Nation auf ihre Weise, wieder. Auch dieDichtkunst der mittleren Zeiten hat ihn gebraucht:fast keine Poesie ist ohne ein solches gegflügeltcsWesen. DieEbraer, dünkt mich, haben die ältestereincste Sage von ihm, und den so natürlichenUrsprung der wunderbaren Zusammensetzung erhal-ten. Er ist ihnen ein Hüter des Paradieses, so-nach ward er ein Symbol der Geheimnisse, d. i.heiliger, unzugangbarcr Orte, durch einen leichtenUebcrgang ward er in seinen Theilen selbst Geheim»