Druckschrift 
3 (1853)
Entstehung
Seite
460
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Warum bist denn du noch ledig?"

Weiß nicht, ich hab's versäumt und jetzt ist's fastgar zu spät. Wenn du mir eine geschickte Wittfrauwüßtest, ich ließ mich noch überreden. Aber ich denk'wohl, ich bleib' ledig. Wir haben so ein' große Familie,und es soll auch einmal was zu erben geben."

Franz war eine zufriedene stille Natur, die sich mitDenken nicht viel zu plagen hatte. Dabei war eräußerst karg und hatte seine Hauptfreude an baaremGelde.

Am Sonntag Morgen saß Alles schön geschmücktund zum Kirchgänge bereit lange vor Beginn desselbenim elterlichen Hause. Brost schnitt von den Stock-scherben, die ein unberührbares Heiligthum waren, dieschönsten Nelken ab und schenkte sic seiner englischenSöhnerin. Es läutete zum Erstenmale zur Kirche,und man wollte sich auf den Weg machen, um sichnoch vorher gehörig bewundern und begaffen zu lassen.Brosi freute sich besonders darauf, seiner Söhnerinauch zu zeigen, daß er in der Gemeinderathsbank sitze,da sagte Severin:

Meine Frau geht nicht mit uns."

Warum?"

Sie ist evangelisch."

Alles zuckte zusammen und eine Weile war esso still in der Stube, daß man nichts hörte, alsdas Picken der Wanduhr und ein schnelles AthmenBrosi's.

Endlich sagte er aufstehcnd und sich vor Frost dieHände reibend: