Druckschrift 
3 (1853)
Entstehung
Seite
369
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Brosi, du bist ja der bravste Mann von derWelt und deine Ehr' ist's ja nur, worauf ich bedachtbin; wenn ich's ungeschickt gemacht Hab, denk ich binnicht gescheiter; ich kann nicht lügen, das willst du ge-wiß auch nicht. Jetzt geh in die Kirch und bitt Gott,daß er mich gescheiter macht und dich und dichlaßt, wie du bist."

Sie half ihm nochmals den Nock anzichcn und mitgroßen Schritten eilte er nach der Kirche, ging aber,um kein Aufsehen zu erregen zu dem Lehrer auf dieOrgel. Heute sang er nicht vor, er betete überhauptnichts von dem was im Buche stand, er betete immer-dar inbrünstig zu Gott, daß dieß der erste und letztedumme Streit mit seiner Frau gewesen sein möge.Auf dem Heimwege hielt er sich bei Niemanden auf,sondern eilte zu seiner Frau in die Küche, undduhast Recht, du hast Recht," sagte er stets, wenn Moniihm erklärte, daß sie ja seine Lustigkeit nicht unterdrü-cken wolle, im Gegcntheil, ein Mann, der das ganzeJahr eine Ehrenhaltung bewahre, der dürfe schon ein-mal das Garn auf den Boden laufen lassen, und seinejungen Jahre genießen; wenn man aber allzeit denLustigmacher spiele, sei man bald der Garnichts und siesei selber auch noch gerne lustig und hoffe, daß ihr nochlange die Musikanten die liebsten Handwerksleute seien.

Ich brauch Gott nicht bitten, daß er dich gescheitmacht," sagte Brosi schmunzelnd. Der Friede wargeschlossen, und wie das immer geht, ein Friedens-schluß zwischen Liebenden erweicht die Gemüther garsehr, eines will dem andern sein Gutsein darthun und

Auerbach, Dorfgeschichten, g. Band. 24