Druckschrift 
3 (1853)
Entstehung
Seite
364
Einzelbild herunterladen
 

364

war es ihm in der That als ob er eine Last abnehme,wenn er diese Sachen aus dem Gedächtniß schaffte;da auf dem Papier stand es sicher und fest, und wennes eintönig aus der Kirche läutete, hing er den Kalendermit besonderem Behagen an den Nagel.

Junge Männer, die zu einer selbständigen Wirth-schaftlichkeit gelangen, beginnen leicht eine übermäßiggenaue Buchführung, lassen aber eben so leicht baldganz davon ab, im stillen Vertrauen, daß sie nichtsUnnöthiges verausgaben. Wir werden aber im Ver-folge unserer Erzählung sehen, daß Brost seinem Vorsatzedurch länger als ein halbes Jahrhundert getreu bliebund eben diese wohlgeordnete Kalcndersammlung, wo-runter die leider nur wenigen Jahrgänge des unüber-trefflichen Rheinländischen Hausfreundes sehr zerlesensind, dienten uns vielfach als Stützpunkt zu den Ereig-nissen im Leben Brosi's und erweckten ihn zu ausführ-lichen Berichten; denn wenn er nur in diese Blätterhineinsah, stand wieder Alles so lebendig vor ihm alswäre es erst heute geschehen.

Oft war auch Brost rascher fertig mit seinen Auf-zeichnungen und fand dann noch Zeit bei einem Nachbareinzusprechen. Das hatte aber Moni nie gerne, siesprach es nur Einmal aus und als das nicht gutwirkte, so arbeitete sie fortan im Geheimen mit allerleiKünsten daran, daß ihr Mann sich nicht daran gewöhneseine Unterhaltung außer dem Hause zu suchen undkaum den Löffel aus dem Munde sortrenne, sonderndaß er am liebsten daheim bleibe.

Damals war es noch allgemein Sitte auf dem