334
„Was hast? Sag's nur frei heraus."
„Guck, mein' Mutter ist gewiß viel daran schuld,du weißt ja selbst am Besten, wie sie ist, aber ich binauch schuld, gewiß ich auch."
„Was hast denn? 'raus mit."
„Guck, ich Hab' auf der ganzen weiten Welt keinenMenschen, den ich zur Hochzeit laden kann, und ichHab' keine Gespielin, die an unserm Ehrentag mit mirin die Kirche geht, die Näherlise, die in Endringcnmit mir getanzt hat, war' die einzige, aber die kannja jetzt nicht. Ich Hab' Niemand auf der Welt, ichbin wie aus dem Stein gesprungen, wenn ich mein'linke Hand in die rechte nehm', Hab' ich all' meinegute Freund bei einander. Gelt, ich seh' dir's an, dasthut dir auch weh', aber red' jetzt und sag', wie wir'smachen."
Moni hatte recht gesehen. Ein gewisses bräutlichesBangen, das halb verschleierte Bewußtsein, nun mitdem ganzen Leben abgeschlossen zu haben, hatte schonmanchmal bei aller Zuversicht das Herz Brosi's er-zittern gemacht, jetzt bei dieser Kundgebung kam cswieder. Er wollte schon losbrechcn in der Darlegungseiner Bekümmerniß, als er noch zeitig genug an sichhielt, denn jetzt zum Erstenmal kam ihm der Gedanke,daß zwei Menschen, die sich zu einem vollen Gemeinlebcnverbunden, wohl in Ehrlichkeit und Offenheit zusammenstehen müssen, daß es aber die Pflicht des einen sei,dem andern, das in Leid oder Leidenschaft versunkenist, nicht durch eigene Zuthat solches noch zu vermehren,sondern ihm heraus zu helfen.