Diethelm schäumte innerlich vor Wuth. So hatteseine Freisprechung, alle die hohen Ehren, die er ge-nossen, nichts genützt; die Menschen, die so unterwür-fig waren, hegten noch immer einen Verdacht gegenihn, der allzeit bereit war loszubrechen. Der erstickteArgwohn in den Gemüthern glich der Flamme ineinem niedergebrannten Hause, die immer wieder auf-schlägt, sobald man einen Balken weghebt. Diethelmverfluchte die ganze Welt und zankte mit dem Vetter,als dieser entschuldigend sagte, er habe noch nichts ge-hört, von Niemand, er habe nur so gemeint.
„Was hast du vorzudenken , was andere Leute denkenkönnen, oder bist du schlecht genug und blasest denLeuten selber ein, daß sie mich verunchren?"
„Ihr wisset ja, wie ich zu euch bin," sagte derVetter mit schelmisch bedeutungsvollem Blicke. Diethelmsah das und wieder kam ihm die Vermuthung, daß der,den er sich am nächsten glaubte, schlimmen Verdachtgegen ihn hegte; aber das klügste war doch, immer zuthun als ob er das nicht glaube; er sagte daher:„Wenn's nicht anders ist, nehur ich's an. Hastrecht Vetter, cs kann-mir eins sein, was die Leut'denken und ich freu' mich auch bei meinem Schwieger-sohn zu sein. Weißt was Frau? Geh mit."
Martha verneinte und Diethelm wiederholte seinenVorschlag nicht. Denn wie Alles in der Welt seinevielfachen Gründe hat, so ging es auch hier. Diethelmwollte nicht nur zeigen, daß er keinen Gerichtshof scheue,er wurde auch der Oede im Hause und der ewigenKlagen seiner Frau erledigt, wenn er sich davon machte.