Druckschrift 
3 (1853)
Entstehung
Seite
260
Einzelbild herunterladen
 

260

in Zukunft Frau Rcgicrungsräthin das ist dochschöner und ein Narr ist, wer das Höhere erreichenkann und sich mit Geringerem begnügt. Franz warentschlossen, den Blumenstrauß des Amtsverwesers zunehmen; aber während des laugen Besinnens hattesie vergessen, ob der in der Rechten oder der in derLinken von ihm kam, sie waren so ähnlich. Jetzt er-innerte sie sich, daß der in der Rechten der gültigewar, aber in der Verwirrung hatte sie die Sträußeniedergelegt und dieses Merkmal zerstört. Wenn aberkein rechtes Kennzeichen war, so konnte ja der Amts-verwcser nichts merken? Wer weiß indeß, ob ernicht doch ein geheimes Kennzeichen hat. Fränz warganz berauscht von der blumenduftigcu Werbung, sieeilte die Treppe hinab und wollte den Kellner fragen,welcher Strauß von ihm sei, aber nicht der Gedanke,welch' eine tückische Härte hierin lag, hielt sie plötzlichfest, sondern die Erinnerung, daß sie ja dann eine offen-bare Entscheidung machen müsse und einen Freier ausder Hand gebe, bevor sie des andern gewiß sei undjetzt that sich ein neuer und glücklicher Ausweg auf, siewollte gar keine Blumen mitnehmen und dem Amts-vcrweser sagen, sie habe deren so viele von unbekanntenVerehrern bekommen, daß sie Alle daheim ließ. Daswird ihn kirren und rasch zugreifcn machen, und dannist die Entscheidung da.

Und so geschah es auch.

Wieder unter rauschender Musik wurde Fränz zumZweitenmale verlobt. Der Amtsvcrwcser hatte in un-erklärlicher Zaghaftigkeit gewünscht, daß die Verlobung