Druckschrift 
3 (1853)
Entstehung
Seite
204
Einzelbild herunterladen
 

204

wenn alle Menschen, die falsche Eide geschworen haben,todte Finger bekämen, es gab' wenige, die eine Prisenehmen könnten."

Martha schwieg, und ein schwerer Gedanke stiegin ihr auf, den sie aber mit aller Macht bannte.Wie verwildert, wie jähzornig und bald wieder soviel allein redend war ihr Mann!

Mehr als je standen diese Menschen in Reichthumund Ucberfluß, aber Kummer und Schmerz verließ sienie, Martha konnte nichts' mehr arbeiten und wurdeimmer trübsinniger, Tagelang saß sie in sich zusammen-gekaucrt und betrachtete stieren Blickes die todten Fingeran ihrer rechten Hand, nur Franz war glücklich, zu-mal da sie hörte, daß man im Sommer nach demBade reiste, und zwar gerade nach dem Orte, wohinder Amtsverweser versetzt war.

Martha hatte insgeheim und durch dritte Handdem alten Schäferle manche Gabe zukommen lassen,aber er wies Alles zurück, er war den ganzen Tagbeim Abräumen des Schuttes und suchte nach denGebeinen seines Sohnes, von denen er nichts fand,als den halbverbrannten Schädel und ein Stück desOberarmes.

Martha wagte es eines Abends, den verlassenenMann aufzusnchen.

Ich will nichts von euch," rief der alte Schäferleder Eintretenden entgegen.

Aber ich will was von dir," entgegncte Martha,da sieh', was ich für todte Finger Hab'. Du mußtmir helfen."