Druckschrift 
3 (1853)
Entstehung
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stimmte. Als sie die Mutter sah, warf sie sich ihrmit Inbrunst entgegen, das war das einzige Herz aufder Welt, das sie nicht von sich stieß und die in Trotzund Rechthaberei verhüllte Kindesliebe brach gleichzeitigmit der demüthigen Milde gegen alle Menschen auf,zwei Lilien gleich, in einer Wetternacht aufgebrochen.

Als sie nun aber hörte, daß der Vater für unschuldiggalt und daß es nur darauf ankam, diese Geltungaufrecht zu erhalten, verwelkten die in Schmerz erblühtenBlumenkelche wieder. Wer weiß, in Schmach undNoth wäre vielleicht Franz eine Heldin an Duldunggeworden, jetzt war sie wieder in der Welt voll Lugund Trug, wo Alles darauf ankam, sich in seiner Rollezu behaupten und Franz wurde wieder die hoffährtige,alle Welt verhöhnende Tochter Diethelms; nur einegewisse Nmfforung, die aus dem Kummer um das nochnicht entschiedene Schicksal des Vaters entsprang undeine Nachwirkung von jener immer mehr verklingendenTraucrstimmnng verhinderte, daß nicht mit einem Worteder leibhafte Nückel wieder da war.

Franz ertrug den Schmerz um die sich in die Längeziehende Gefangenschaft des Vaters leichter als dieMutter, weil sie ihn für schuldig hielt, von einemMorde an Medard ahnte sie nichts, und für einenBrandstifter gehalten worden zu sein ist am Endekeine Schande, wenn man nur freigesprochen ist.

Seit mehreren Tagen hatte Fränz jedesmal umMittag gesagt:Jetzt ist halb eins" und wenn dieMutter fragte:Warum?" antwortete sie lächelnd:Weil der Amtsverweser da über den Markt herkommt,