Druckschrift 
3 (1853)
Entstehung
Seite
185
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gelernt, oft schaute sie aber auch hinaus auf die Straßeund machte allerlei Bemerkungen über die Vorüber-gehenden. Die Mutter verwies ihr das immer mitsteter Wiederholung:

Wir haben gar nichts zu spötteln über andereMenschen, wir müssen froh sein, wenn man nicht mitFingern auf uns weist." Nun verschwieg Franz meistensihre Bemerkungen, sie hatte, wie sie glaubte, die un-säglichste Geduld mit ihrer Mutter, die gar keine Zer-streuung wollte und so gewiß als das Tischgebet jedes-mal, wenn man sich zum Essen setzte, sagte:

Ach Gott! Jetzt muß der Vater allein essen, ichweiß daß ihm kein Bissen schmeckt, er hat nie was alleinessen mögen ohne dabei zu reden, und wenn er heimkommen ist und ich ihm Essen hingestellt Hab, Hab ichmich immer zu ihm setzen müssen und beim Tisch Habich nie aufstehen dürfen wenn was gefehlt hat, er hatimmer gesagt: lieber kein Salz auf dem Tisch, alsdaß du mir fehlst. Ach Gott! Wir haben doch sogut mit einander gelebt und wenn's auch manchmalein bisle uneben gangen ist, es giebt doch kein' bessereEhe auf der Welt und alle Adern hält' sich eins für'sandere aufschneiden lassen."

Franz hörte das immer geduldig an und ermahntenur die Mutter, das Essen nicht kalt werden zu lassen.

Franz trauerte auch aufrichtig um das Schicksaldes Vaters, aber sie konnte diese immerwährendeTrauer nicht aushalten und sehnte sich nach Zerstreuung,sie wollte von keinem Zweifel mehr wissen, daß demVater etwas geschehen könne und sprach oft davon,