Zwanzigstes Kapitel.
In der Post lebte Franz mit ihrer Mutter stillund einsam. Früh Morgens gingen sie täglich nachder Kirche, wo die Mutter immer so zerknirscht betete,dann ging es jedesmal hinaus nach dem Gefängnisse,um von dem alten Kübler zu erfahren, wie sich derVater befinde; er gab in der Regel einförmig gutenBescheid, nahm bisweilen auch Geschenke an, ließ sichaber nicht herbei, Diethelm irgend eine Nachricht zubringen, und so waren Mutter und Tochter von ihmwie durch Meere geschieden. Von dem einzigen Aus-gange abgesehen, lebten sie selber wie in Gefangen-schaft, die Mutter saß in der Mitte der Stube undspann, obgleich sie immer klagte, daß ihre Spinnfingerwie abgestorben seien; sie hatte nicht Lust bei der Arbeitmanchmal hinaus zu sehen nach den Vorübergehenden,sie kannte Niemand und wollte Niemand kennen, undoft wenn sie eine Spindel abstellte, klagte sie über dieschöne Aussteuer der Fränz und über die tausende vonselbstgesponnenen Spindeln, die da mit verbrannt seien.Fränz saß am Fenster und stickte für den Vater sehrbunte Pantoffeln, sie hatte das in der Hauptstadt trefflich