Druckschrift 
3 (1853)
Entstehung
Seite
143
Einzelbild herunterladen
 

143

Stieftochter so nahe ging, er versprach Alles zu be-sorgen und eilte hinaus. Diethelm faltete die Händevor dem Mund und sprach etwas wie ein Gebet,und so zutraulich auch heute wieder der Sternwirthwar, er gab ihm keine Antwort und eilte hinaus inden Stall und weinte dort so laut, daß man meinte,es müsse ihm das Herz abstoßen, er hatte den Armauf den Hals des Handpferdes gelegt und weinte soheftig auf die Mähne und sprach unverständliche unddoch flehend klingende Worte, als wollte er die Pferdebitten, ihn mit schnellster Macht heim zu bringen.

Er hatte Verbrechen auf Verbrechen gehäuft umseine Ehre zu retten, und nun war Alles unnöthig,die Erbschaft von seiner Stieftochter stellte ihn ja hinglänzender als je. Er zitterte am ganzen Leibe undnur ein Gedanke hielt ihn noch fest, daß daheim diegrause That noch gut zu machen sei und er faßte diebesten Vorsätze, die sollten das Schicksal zwingen, daßdie böse That ungeschehen sei. Gewaltsam ballte erdie Fäuste und preßte die Lippen, um sich nicht zuverrathen, wenn es doch zu spät sei, aber nein, dasdarf nicht sein, das kann nicht sein.

Jede Minute, die mit Festschnallen eines Riemens,mit Anlegen eines Stranges verging, däuchte Diethelmeine Ewigkeit, er wollte Vorspann, er wollte frischePferde nehmen um mit Windesschnelle heim zu eilen,aber er fürchtete wieder, daß ihn jedes Wort verratheund wagte nicht einmal mehr die Einspanncnden zurEile zu drängen. Als der Vetter vorsorglich eine La-terne mitnahm und sogar nach einem zweiten Lichte als