89
und dünkte sich zu erhaben über alle unter ihm, alsdaß er eine Gleichberechtigung anerkannt hätte, nur inSachen der Wahlen wich er davon ab, die Ehre vonso Vielen erwählt zu werden dünkte ihn fast noch grö-ßer als von der hohen Regierung ernannt zu werden.Manche schalten jetzt sogar auf Martha, die mit ihremzänkischen und schwermüthigen Wesen den braven Mannoft aus dem Hause treibe; es muß aber zur EhreDiethclms gesagt werden, daß er immer entschiedeneEinsprache that, wenn er Derartiges merkte; er hieltes für eine Versündigung, durch Ungerechtigkeit gegenAndere erhoben zu werden, aber so sehr war er bereitsin inneren Wirrwarr gerathen, daß er diese einfacheEhrlichkeit für ein besonderes Opfer hielt, wofür ihmder Gotteslohn nicht ausbleiben dürfe. Diethelm hieltsich überhaupt viel im Waldhorn auf und kartelte.Hier war gewissermaßen sein zweites Heimwcsen undein noch viel willfährigeres als das eigentliche. Diet-helm hatte eine Hypothek auf das Wirthshaus und derohnedicß geschmeidige und schmeichlerische Wirth warsein Neffe, dem er zum Ankauf dieses Hauses ver-holten hatte; wie natürlich, daß Diethelm hier eineunbedingte Botmäßigkeit fand, wie sonst nirgendsund er ließ sich diese gerne gefallen. Im Waldhornwartete er nun jedesmal den Postboten ab, die Quit-tung für eine drängende Schuld, die er mit der erwor-benen baarcn Summe getilgt hatte, blieb nicht ans,aber auch andere Briefe kamen, in die er nur kurzeBlicke warf und auf dem Heimwege in kleinen Stück-chen verzettelte, die der Herbstwind lustig davon trug.